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FrĂĽhlingsempfang bei der die Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen in Essen e.V.

Angela Ströter, Vorsitzende der AGSBM begrüßt die Gäste
Oberbürgermeister Thomas Kufen und Sabine Fischer-Kowalewski (Gebärdensprachdolmetscherin).
Angela Ströter (Vorsitzende der AGSBM) und Sabine Fischer-Kowalewski (Gebärdensprachdolmetscherin) begrüßen die mehr als 80 Gäste.
Mehr als 80 Gäste aus Selbsthilfe, Wirtschaft, Politik und Verwaltung waren der Einladung der AGSBM gefolgt.

Am 15. April 2023 hatte die Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen in Essen e.V. (AGSBM) zum Frühlingsempfang geladen. Und mehr als 80 Gäste aus Selbsthilfe, Wirtschaft, Politik und Verwaltung waren dieser Einladung gefolgt.

Oberbürgermeister Kufen brachte in seinem Grußwort zum Ausdruck, dass die AGSBM durch den Einsatz ihrer besonderen Kompetenzen bereits sehr viel zur Inklusion in Essen beigetragen hat. Es gebe aber auch noch sehr viel zu tun. Der neue Inklusionsbeirat der Stadt Essen sei eine gute Ergänzung zu den bisherigen Akteuren, so dass man gemeinsam die Inklusion weiter verbessern könne.

Angela Ströter (die Vorsitzende der AGSBM) hat in ihrer Ansprache auf wesentliche Punkte hingewiesen, an denen die Menschen mit Behinderung in Essen derzeit arbeiten:  

Z.B. weitere Verbesserungen der Barrierefreiheit

  • Beseitigung von Hindernissen im Alltag:
  • E-Scooter, die BĂĽrgersteige und FuĂźwege versperren. Gern werden sie quer zur Laufrichtung abgestellt, so dass Rollstuhl- und Rollatoren-Nutzende und auch Kinderwagen nicht daran vorbeikommen.
  • Zugeparkte barrierefreie StraĂźenĂĽberwege oder versperrte abgeflachte Bordsteinkanten.
  • Taktile Leitlinien, auf denen Gegenstände abgestellt sind, ĂĽber die sehbehinderte Menschen stolpern.
  • Mehr barrierefreie Arztpraxen benötigt, insbesondere Facharztpraxen

Die Problematik ist seit Jahren bekannt, aber nach wie vor hochaktuell. Laut einer Umfrage der kassenärztlichen Vereinigung aus 2018 verfĂĽgen nur ca. 35% der Arztpraxen – nach eigenen Angaben – ĂĽber mindestens ein Merkmal der Barrierefreiheit. GefĂĽhlt hat sich bis heute daran wenig geändert. Das sollte dringend besser werden.

Selbst Arztpraxen, die z.B. ĂĽber einen Aufzug verfĂĽgen, sind deshalb lange noch nicht barrierefrei zu erreichen: Denn oft genug sind AufzĂĽge zu klein oder nur ĂĽber ein paar Stufen erreichbar.

Die Barrierefreiheit für Menschen mit Sinnesbehinderung oder mentaler Einschränkung wird ebenfalls meist vernachlässigt. Technische Unterstützung und der Einsatz von leichter Sprache würden hier weiterhelfen.

  • Mehr barrierefreier Wohnraum benötigt

Die Frage nach bezahlbarem barrierefreiem Wohnraum beschäftigt uns schon lange. Immer wieder wird diese Frage von Betroffenen an die AGSBM herangetragen.

Die demographische Entwicklung macht sich mehr und mehr bemerkbar – auch beim Bedarf nach barrierefreiem Wohnraum.

  • Verbesserung der Zugänglichkeit des Ă–PNV

Gemäß § 8 Abs. 3 des Personenbeförderungsgesetz (PBefG) musste der ÖPNV bis zum 1. Januar 2022 bereits vollständig barrierefrei sein.

Seit der Fahrplanumstellung der Deutschen Bahn im Dezember 2019 gibt es bei der Dt. Bahn neue Züge, die oftmals nicht zur jeweiligen Bahnsteighöhe passen. Vorhandene Rampen sind da wohl eher der Plan B. Bis die Bahnsteighöhen alle an das neue System angepasst sind, werden wohl noch viele Jahre oder Jahrzehnte ins Land gehen.

Auch wenn die Ruhrbahn grundsätzlich auf einem guten Weg ist: Bis alle Haltestellen umgebaut und die gesamte Flotte auf Niederflurfahrzeuge umgestellt ist, dauert es wohl noch viele Jahre. Auch wünschen die behinderten Menschen sich einfach mehr Tempo.

Z.B. Mehr Inklusive Bildung, 

die insbesondere an weiterfĂĽhrenden Schulen sehr schwierig ist.

Lehrer*innen und Eltern haben große Vorbehalte gegen inklusive Schule. U.a. wegen nicht ausreichender personeller Ausstattung an Schulen, nicht barrierefreier Räumlichkeiten, aber auch wegen diffuser Ängste, dass inklusiv beschulte Kinder zu kurz kämen.

Andere Schulsysteme im Europäischen Ausland zeigen aber, dass inklusive Bildung mit guten Konzepten möglich ist. Schließlich profitieren sowohl Kinder mit als auch Kinder ohne Behinderung davon – und zwar mindestens im sozialen Bereich.

Z.B. Mehr Teilhabe am Arbeitsleben und die Entgelt-Reform in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung

In einer WfMB – so heiĂźt es – finden viele Betroffene einen geschĂĽtzten Raum, in dem sie eine Beschäftigung und eine Tagesstruktur erhalten. Aber bei weitem nicht alle benötigen diesen Schutz.

Es gibt erste Ansätze, Menschen mit Behinderung auf einen inklusiven Arbeitsplatz – im besten Fall am ersten Arbeitsmarkt – vorzubereiten und dort zu begleiten. Wir glauben, dass hier aber weitaus mehr möglich ist. Solange so viele Menschen in einer WfBM sind, werden auch viele Talente unentdeckt bleiben. Außerdem bedarf es einer Reform der Entgelte in der WfBM, die Beschäftigte durch ihr Entgelt unabhängig von Grundsicherungsleistungen werden lässt.

Z.B. Weniger ableistische (behindertenfeindliche) Sprache

Beispielsweise, wenn eine Person sich z.B. ignorant oder unfreundlich verhält, dann ist sie nicht „blind“ oder „behindert“, sondern einfach ignorant. Wenn eine Person aus Desinteresse nicht richtig zuhört, dann ist sie nicht „hörbehindert“ oder „taub“, sondern desinteressiert. Behinderungen sind keine Beleidigungen.

Die AGSBM wird auch weiterhin alles tun, um die Situation der Menschen mit Behinderung in Essen zu verbessern und wĂĽnscht sich

eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Essener Inklusionsbeirat

Der Inklusionsbeirat ist ja noch ganz neu und alle Beteiligten lernen noch. Aber ein paar WĂĽnsche hat die AGSBM schon jetzt:

Es ist wichtig, dass alle Mitglieder inhaltlich mit auf den Weg genommen werden, egal ob sie bereits politische Erfahrung haben oder nicht.

Ebenso wichtig ist es, sich gemeinsam mit aller Kraft in barrierefreien Sitzungen für mehr echte Teilhabe und Barrierefreiheit in unserer Stadt einzusetzen. Und dabei einen Blick für die gemeinsamen Bedarfe zu entwickeln. Die AGSBM wünscht sich, dass alle an einem Strang ziehen. 

Zitat zum Schluss: „Wer Inklusion will, findet einen Weg. Wer sie nicht will, findet Ausreden“ (Raul Krauthausen – Aktivist fĂĽr Inklusion aus Berlin)

 

Quelle: Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen in Essen e.V. 

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