Wie verändert Künstliche Intelligenz die Krebsforschung und -medizin?
AI4CancerCure.NRW: 32,5 Millionen Euro für KI-gestützte Krebsforschung in Essen
Künstliche Intelligenz soll dazu beitragen, Krebs früher zu erkennen, individuelle Erkrankungsrisiken genauer einzuschätzen und neue Therapien zu entwickeln. Dafür bündelt das neue Forschungsnetzwerk „Artificial Intelligence for Cancer Cure NRW“ (AI4CancerCure.NRW) die Expertise mehrerer universitätsmedizinischer Standorte in Nordrhein-Westfalen. Insgesamt stehen 200 Millionen Euro aus dem Nordrhein-Westfalen-Plan für den Ausbau der notwendigen Infrastruktur zur Verfügung. 32,5 Millionen Euro fließen an den universitätsmedizinischen Standort Essen.
Den offiziellen Startschuss für AI4CancerCure.NRW gaben NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes am 4. September 2026 in Düsseldorf.
Vernetzte Krebsforschung in Nordrhein-Westfalen
An AI4CancerCure.NRW beteiligen sich die Universitätsklinika Aachen, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Essen, Köln und Münster sowie die TU Dortmund. Gemeinsam bringen die Standorte ihre Kompetenzen in Onkologie, Künstlicher Intelligenz, Wirkstoffentwicklung, Bildgebung, Datenwissenschaften und klinischer Forschung ein.
Ziel ist eine standortübergreifende Forschungsstruktur, die unterschiedliche Schritte der Krebsforschung miteinander verbindet: von der Identifikation neuer biologischer Zielstrukturen und der datenbasierten Wirkstoffentwicklung über personalisierte Risikovorhersage, Prävention und Früherkennung bis zur klinischen Erprobung und Anwendung neuer Verfahren. Auch der kompetente Umgang mit Künstlicher Intelligenz, ethische Fragestellungen und Datenschutz gehören zu den Arbeitsbereichen des Netzwerks.
32,5 Millionen Euro für den Standort Essen
In Essen liegt der Schwerpunkt auf der Forschung, Entwicklung und Anwendung Künstlicher Intelligenz für Krebsfrüherkennung, Risikoprädiktion und Intervention. Dabei geht es unter anderem darum, individuelle Erkrankungsrisiken mithilfe von Daten besser vorherzusagen und daraus Ansätze für Prävention, Früherkennung oder weitere Maßnahmen abzuleiten.
Ein wesentlicher Teil der Förderung fließt in die dafür erforderliche Infrastruktur. Die onkologische KI-Forschung soll in einem Forschungsgebäude zusammengeführt werden. Darüber hinaus werden das Rechenzentrum und der KI-Rechencluster am Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin (IKIM) erweitert. Investitionen in Forschungsgeräte für Nuklearmedizin und Pathologie sind ebenfalls vorgesehen.
Forschung schneller in die medizinische Anwendung bringen
Ein zentrales Anliegen von AI4CancerCure.NRW ist es, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung mit der klinischen Forschung und Versorgung zu verbinden. Neue wissenschaftliche Ansätze sollen dadurch systematisch weiterentwickelt, geprüft und möglichst in medizinische Anwendungen übertragen werden.
Geplant ist unter anderem die Entwicklung neuer Biomarker, Therapeutika und Theranostika sowie digitaler Gesundheitsanwendungen und KI-basierter Medizinprodukte. Gleichzeitig sollen frühe klinische Studien beschleunigt werden.
Auch der Transfer über die unmittelbare medizinische Forschung hinaus gehört zum Konzept. Durch Kooperationen mit der Gesundheitswirtschaft und dem Transfer- und Gründungsökosystem in Nordrhein-Westfalen sollen wissenschaftliche Ergebnisse den Weg in Kooperationen, Ausgründungen und industrielle Anwendungen finden.
Essener Expertise im landesweiten Netzwerk
Prof. Dr. Jan Buer, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen, bewertet die Förderung als starkes Bekenntnis zur Leistungsfähigkeit des Essener Standorts. Sie ermögliche Forschenden, an der Schnittstelle von Künstlicher Intelligenz und Krebsforschung wichtige Beiträge zu leisten.
Für Prof. Dr. Angelika Eggert, Ärztliche Direktorin und Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Essen, schafft AI4CancerCure.NRW insbesondere die Möglichkeit, als Smart Hospital in die notwendige KI-Infrastruktur für Krebsforschung und -behandlung zu investieren.
Prof. Dr. Martin Schuler, Direktor der Klinik für Medizinische Onkologie, hebt die Chance hervor, die am Universitätsklinikum Essen vorhandene Kompetenz auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz stärker in Anwendungen für Menschen mit Krebserkrankungen zu übertragen. Durch die Zusammenarbeit mit den weiteren Standorten entstehe zugleich ein Netzwerk mit internationaler Ausstrahlung.
Von der Früherkennung bis zur Entwicklung neuer Therapien
AI4CancerCure.NRW verfolgt einen umfassenden Ansatz. Die fünf Arbeitsbereiche des Forschungsclusters verbinden Krebsbiologie und Wirkstoffentwicklung mit bild- und datenbasierter Präzisionsdiagnostik und früher klinischer Translation. Ergänzt werden diese Bereiche um Fragen zur Kompetenz im Umgang mit KI, zu Ethik und Datenschutz.
Damit reicht das Spektrum von der Suche nach neuen biologischen Angriffspunkten für Medikamente über personalisierte Risikovorhersage und Krebsfrüherkennung bis zur klinischen Prüfung neuer Verfahren. Langfristig sollen die gemeinsamen Strukturen dazu beitragen, Forschungsergebnisse schneller für Diagnostik, Prävention und Behandlung nutzbar zu machen.
Koordiniert wird das Konsortium von Prof. Dr. Michael Hallek, Direktor der Klinik I für Innere Medizin am Universitätsklinikum Köln und des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO) Köln. Köln erhält ebenso wie Essen 32,5 Millionen Euro. Jeweils 25 Millionen Euro gehen nach Aachen, Bonn, Dortmund, Düsseldorf und Münster.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Martin Schuler, Direktor der Klinik für Medizinische Onkologie, Universitätsklinikum Essen, Tel. 0201/723-2000, martin.schuler@uk-essen.de
