Großes Interesse an Planungen zur forensischen Frauenklinik – weitere Bürgerversammlung angekündigt
Im Rahmen einer Bürgerversammlung haben auf Einladung des Planungsbeirates der zukünftigen forensischen Frauenklinik das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW (MAGS), der Landschaftsverband Rheinland (LVR) und die Stadt Essen am 28. Januar 2026 über die Planungen für eine neue forensische Klinik für Frauen in Essen-Heidhausen informiert. Rund 300 Bürgerinnen und Bürger fanden in der Jona-Kirche Platz, weitere Interessierte konnten aus Brandschutzgründen leider nicht mehr eingelassen werden. Eine weitere Bürgerversammlung ist deshalb bereits in Planung.
Durch die Veranstaltung führten die Vorsitzenden des Planungsbeirates, Marion Greve (Superintendentin der Evangelischen Kirche Essen) und ihr Stellvertreter, Prof. Dr. Björn-Enno Hermans (Caritasdirektor Essen).
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Informationen über die Art der Einrichtung, die baulichen Planungen, die Standortwahl für die Klinik sowie Sicherheitsaspekte.
Landesweit steigt der Bedarf an Plätzen für psychisch kranke Straftäterinnen im Maßregelvollzug. Das Land hat daher umfassende Prüfungen für geeignete Grundstücke vorgenommen. Eine vom MAGS beauftragte Machbarkeitsstudie bewertete das vorgesehene Grundstück in Essen-Heidhausen für den Bau einer forensischen Klinik für 69 Patientinnen positiv, unter anderem hinsichtlich Größe, Erschließung, Topografie und grundsätzlicher baurechtlicher Eignung. Andere Flächen mit bereits bestehendem Bebauungsplan standen nach Angaben des Ministeriums nicht zur Verfügung.
Auf dem Gelände in Heidhausen wurden bereits Vermessungsarbeiten, artenschutzrechtliche Prüfungen und Baugrunduntersuchungen vorgenommen. Derzeit werden Abbrucharbeiten an bestehenden Gebäuden vorbereitet. Für den Abriss der Gebäude müssen neun Bäume gefällt werden, weitere Fällungen, die erst für einen Neubau nötig wären, sind derzeit nicht in Vorbereitung. Darüber hinaus steht die Allee in der Mitte des Geländes unter besonderem Schutz und bleibt erhalten.
Dr. Ecevit Agu, Planungsdezernent der Stadt Essen, betonte, dass von Seiten der Stadt eine ergebnisoffene planungsrechtliche Prüfung laufe. Ein externes Gutachten sei beauftragt worden.
Ulrich Scheinhardt, Referatsleiter Bau und bauliche Sicherheit der forensischen Psychiatrie im MAGS NRW, stellte das bauliche Konzept vor. Geplant sind mehrere Gebäude innerhalb der im Bebauungsplan festgelegten Baugrenzen: ein zentrales Pfortengebäude mit Sicherheitsschleuse als einziger Zugang, ein Stationsgebäude, ein Freizeitgebäude, eine Werkstatt, eine Sporthalle sowie eine Rehabilitationsstation für fortgeschrittene Behandlungsphasen. Das angrenzende Landschaftsschutzgebiet bleibe unangetastet.
Die Grundfläche der geplanten Gebäude beträgt rund 7.500 Quadratmeter, hinzu kommen etwa 8.400 Quadratmeter Wegeflächen. Von der insgesamt rund 50.000 Quadratmeter großen bebaubaren Fläche sollen etwa 32 Prozent überbaut werden. Der Bebauungsplan erlaubt bis zu 40 Prozent. Zulässig wären zwei bis vier Vollgeschosse, geplant sind maximal drei.
Prof. Dr. med. Johannes Fuß, Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie und Sexualforschung der LVR-Universitätsklinik Essen, erläuterte in der Jona-Kirche wann es zu einer Unterbringung in einer forensischen Psychiatrie kommen kann. Die Unterbringung gemäß § 63 StGB ist unbefristet, mögliche Lockerungen wie Ausgänge würden immer gründlich geprüft. Auf die Frage nach dem Risiko für die Nachbarschaft betonte Prof. Dr. Fuß, ihm sei kein Fall bekannt, in dem eine Patientin während eines Ausgangs aus einer Frauenforensik ein schweres Gewaltdelikt an einem zufälligen Opfer der Nachbarschaft begangen habe.
In der über dreistündigen Versammlung äußerten die Bürgerinnen und Bürger vor allem ihre Sorgen in Bezug auf die Nähe der Klinik zur Wohnbebauung und zu Schulen und Kindergärten. Auch über Fragen des Naturschutzes, Lärmbelästigung und der Verkehrsbelastung durch den Betrieb der Klinik wurde lebhaft diskutiert. Die Fertigstellung der Klinik in Essen-Heidhausen ist nach aktuellem Stand für 2029 geplant. Die entstehenden 69 Behandlungsplätze sollen dann für die Behandlung von forensisch untergebrachten Frauen genutzt werden. Träger und Betreiber der Klinik wird der Landschaftsverband Rheinland, der bereits an acht Standorten im Rheinland forensische Fachkliniken betreibt.
