Seite lädt...

Frühe Hormone beeinflussen die psychische Entwicklung von Jungen und Mädchen unterschiedlich

Drei lächelnde Personen stehen nebeneinander in einem hellen, modernen Treppenhaus und blicken in die Kamera. Links trägt eine Person einen roten Blazer über einem dunklen Poloshirt und eine Brille. In der Mitte steht eine junge Frau mit langen braunen Haaren in einem schwarzen ärmellosen Oberteil und einer schwarzen Hose, die die Hände vor dem Körper verschränkt hält. Rechts steht eine Person mit Brille, kariertem dunkelblauem Hemd und hellem Hosenbund. Im Hintergrund sind eine Treppe mit Glasgeländer sowie große Fenster zu sehen, die den Raum mit Tageslicht erhellen.
Prof. Dr. Anke Hinney, Franka Weisner und Dr. Lars Dinkelbach (c) Medizinische Fakultät, UDE

Forschende der Universität Duisburg-Essen entdecken geschlechtsspezifische Zusammenhänge während der frühen Pubertät

Warum entwickeln manche Kinder im Jugendalter häufiger psychische Auffälligkeiten als andere? Eine aktuelle Studie der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen liefert neue Hinweise darauf, dass bereits frühe hormonelle Veränderungen eine Rolle spielen könnten.

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die sogenannte Adrenarche. Dabei handelt es sich um eine frühe Phase der Pubertät, in der die Nebennieren vermehrt Hormone – insbesondere Dehydroepiandrosteron (DHEA) – bilden. Diese Hormone beeinflussen unter anderem die Gehirnentwicklung, die Emotionsregulation und die Verarbeitung von Stress.

Ein Forschungsteam des Instituts für Geschlechtersensible Medizin (IGSM) analysierte Daten der internationalen Adolescent Brain Cognitive Development (ABCD) Study mit bis zu 11.696 Kindern und Jugendlichen. Dabei wurden DHEA-Werte im Speichel mit der späteren Entwicklung psychischer Symptome verglichen.

Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen

Die Auswertung zeigte ein deutlich geschlechtsspezifisches Bild.

Bei Jungen standen höhere DHEA-Werte im Alter zwischen neun und zwölf Jahren mit weniger psychischen Auffälligkeiten im weiteren Jugendverlauf in Zusammenhang. Das betraf sowohl sogenannte externalisierende Symptome wie impulsives oder aggressives Verhalten als auch internalisierende Beschwerden wie Ängste oder depressive Verstimmungen.

Bei Mädchen fanden die Forschenden dagegen keinen vergleichbaren Zusammenhang zwischen den gemessenen DHEA-Werten und späteren psychischen Symptomen.

Hormone sind nur ein Teil des Gesamtbildes

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen, dass Hormone nicht allein über die psychische Entwicklung entscheiden. Vielmehr wirken biologische Faktoren gemeinsam mit sozialen Einflüssen, persönlichen Erfahrungen und Umweltbedingungen.

Die Ergebnisse sprechen jedoch dafür, die frühe Pubertätsphase künftig stärker als sensibles Entwicklungsfenster für die psychische Gesundheit zu betrachten.

“Unsere Studie legt nahe, dass die Adrenarche als sensibles Entwicklungsfenster für die Entstehung psychischer Gesundheit stärker in den Blick genommen werden sollte“, sagt Prof. Dr. Anke Hinney, Leiterin des Instituts für Geschlechtersensible Medizin.

Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Translational Psychiatry.

Link zur Originalveröffentlichung:
The sex-specific role of adrenal androgens in youth psychopathology

WordPress Appliance - Powered by TurnKey Linux