LĂ€dt

Neues Institut erforscht Einfluss von Stadtplanung auf die Gesundheit der Bewohner

Institutsleiterin Prof. Dr. Susanne Moebus am Isenbergplatz in Essen – einem Ort, an dem sich GroßstĂ€dter besonders wohlfĂŒhlen. Fotonachweis: FUNKE Foto Services/Kerstin Kokoska

Die Medizinische FakultĂ€t der UniversitĂ€t Duisburg-Essen grĂŒndet am UniversitĂ€tsklinikum Essen
das Institut fĂŒr Urban Public Health (InUPH). ZukĂŒnftig wird hier systematisch und kooperativ
erforscht, welchen Einfluss das stÀdtische Umfeld auf die Gesundheit der Menschen hat und wie
es optimal gestaltet werden kann. Die Fritz und Hildegard Berg-Stiftung im Stifterverband
fördert die InstitutsgrĂŒndung mit 750.000 Euro ĂŒber 5 Jahre.

Über den Einfluss stĂ€dtischen Lebens auf die Gesundheit der Bewohner besteht kein Zweifel.
Gleichwohl sind viele Fragen offen. So wÀre beispielsweise zu klÀren, welche Rolle ein breites
Kultur- und Sportangebot, eine große Lebensmittelauswahl sowie öffentliche soziale
AnknĂŒpfungspunkte fĂŒr Gesundheit und Wohlbefinden der Stadtbewohner spielen. Viele
Erkenntnisse werden zudem in der Stadtplanung und -entwicklung nur zögerlich umgesetzt.
Hier wird Prof. Dr. rer. nat. Susanne Moebus, Leiterin des neu gegrĂŒndeten InUPH, mit
ihrem Team ansetzen. „In diesem Forschungsfeld gibt es großen Handlungsbedarf“, sagt
die Epidemiologin und Biologin.

Die geografische Lage des neuen Instituts bietet beste Voraussetzungen fĂŒr das
Forschungsfeld. Die Metropolregion Ruhr zÀhlt mit rund 5 Millionen Menschen zu
den am dichtesten besiedelten Gebieten Europas. Im Umkreis von 50 Kilometern um
Essen leben 8,6 Millionen Menschen – ein Ballungsraum mit besten Bedingungen fĂŒr
Forschung und Lehre zur Gesundheit urban lebender BĂŒrger. Struktur, Anbindung
und Ausrichtung des Instituts sind deutschlandweit einmalig.
Bislang gibt es nur wenig konzertierte Forschung zu den komplexen
ZusammenhÀngen urbaner Systeme mit Urban Public Health.

Als Naturwissenschaftlerin wĂŒnscht sich Susanne Moebus eine RĂŒckkehr
der sogenannten sozialen Medizin, die bereits im 19. Jahrhundert fĂŒr mehr
Synergien zwischen Stadtplanung und öffentlicher Gesundheit stand. Das
Problem seitdem: Die meisten Ärzte konzentrieren sich auf die Individualmedizin,
Stadtplaner hingegen auf Infrastruktur und wirtschaftliche Interessen.
Das Forschungsfeld „Urban Public Health“ arbeitet an dieser Schnittstelle
und schaut sich die Bevölkerung einer Stadt als Ganzes an:
Was hÀlt die Menschen gesund?
Wie mĂŒsste ihr Lebensumfeld idealerweise organisiert sein?
Wie sollten StÀdte (um-)gebaut werden?

Institutsleiterin Moebus sieht dringenden Handlungsbedarf: „Es ist höchste Zeit,
dass diese mauerblĂŒmchenartige Tradition im großen Stil wiederentdeckt wird. Wir
werden die medizinischen Risiken studieren, gesundheitliche Ressourcen analysieren
und mit Vertretern weiterer Disziplinen zeigen, wie Stadtplaner und politische
Akteure StĂ€dte zu Orten der Gesundheit machen können.“

Um die inter- und transdisziplinÀren Aufgaben erfolgreich zu bearbeiten, nimmt
das neue Institut regionale und lokale Entwicklungen in den Fokus, etwa die
gesundheitsförderliche Quartiersentwicklung, zum Beispiel in Emscher-Kommunen.
DarĂŒber hinaus wird es an internationalen Entwicklungen zur Gesundheit in Stadt
und Region mitwirken und darauf abzielen, diese Erkenntnisse lokal nutzbar zu machen.

Um möglichst viele belastbare Daten auswerten und valide Empfehlungen abgeben zu können,
werden neue Allianzen mit Vertretern aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft geschmiedet
sowie bestehende ausgebaut. Neben nationalen Kooperationspartnern, wie der Akademie fĂŒr
den Öffentlichen Gesundheitsdienst und dem Robert-Koch-Institut, werde man auch mit
internationalen GrĂ¶ĂŸen zusammenarbeiten, zum Beispiel dem Ecologic Institute und dem
Rutgers Centre for Urban Environmental Sustainability. Als regionaler Dialogpartner spielt
das Wuppertal Institut fĂŒr Klima, Umwelt, Energie mit dessen Profilschwerpunkt „Urbane Systeme“
eine herausragende Rolle. Dort wird im Rahmen der bereits bewilligten
Förderung deshalb eine Doktorandenstelle geschaffen.

Im Institutsfokus steht zudem die Ausbildung von Nachwuchsforschern, damit erlangte
Erkenntnisse nachdrĂŒcklich verbreitet sowie neue Herausforderungen frĂŒhzeitig erkannt
und bewÀltigt werden können.

Das bisherige Zentrum fĂŒr Urbane Epidemiologie am UniversitĂ€tsklinikum Essen wird
in das neue Institut ĂŒberfĂŒhrt. Die entwickelten Kompetenzen und KapazitĂ€ten sowie
die dort von der Medizinischen FakultÀt bereitgestellten finanziellen Mittel und
bislang eingeworbene Drittmittel gehen darin auf.

Über die Fritz und Hildegard Berg-Stiftung

Die Fritz und Hildegard Berg-Stiftung im Stifterverband unterstĂŒtzt den Aufbau und
die Etablierung des Instituts fĂŒr Urban Public Health im Rahmen ihrer Förderinitiative
„Stadt der Zukunft“ mit 750.000 Euro. Seit mehr als 10 Jahren setzt sich die Stiftung
mit dem Programm dafĂŒr ein, interdisziplinĂ€re, praxisorientierte AnsĂ€tze zur gesunden,
nachhaltigen Entwicklung urbaner RĂ€ume zu identifizieren und weiterzuentwickeln.
„An sozialmedizinische wie auch an ökologische Traditionen anknĂŒpfend, kann das neue
Institut dazu beitragen, die Themen „Gesundheit“ und „Nachhaltigkeit“ in StĂ€dten und
Regionen durch wissenschaftliche Arbeit nachdrĂŒcklich zu stĂ€rken“, sagt
Prof. Dr. med. Rainer Fehr, Mitglied im Programmbeirat der Berg-Stiftung.
„Wenn das Institut systematisch und stark vernetzt arbeitet und wenn der BrĂŒckenschlag
zwischen internationalem Engagement und kontinuierlicher (Mit-)Arbeit vor Ort gut gelingt,
dĂŒrfte die InstitutsgrĂŒndung im spĂ€teren RĂŒckblick als eine Sternstunde fĂŒr nachhaltige
Stadt- und Regionalgesundheit in Deutschland gelten.“

Pressekontakt
Martin Rolshoven, M. A.
Wissenschaftsredakteur
Medizinische FakultÀt der UniversitÀt Duisburg-Essen
Telefon: 0201/723-6274
martin.rolshoven@uk-essen.de
www.uni-due.de/med

Über die Medizinische FakultĂ€t der UniversitĂ€t Duisburg-Essen

Wissenschaft und Forschung auf höchstem internationalem Niveau und eine herausragende,
exzellente Ausbildung zukĂŒnftiger Ärztinnen und Ärzte: Diese Ziele hat sich die
Medizinische FakultÀt gesteckt und verfolgt sie mit Nachdruck. Wesentliche Grundlage
fĂŒr die klinische LeistungsfĂ€higkeit ist die Forschung an der Medizinischen FakultĂ€t
der UniversitÀt Duisburg-Essen mit ihrer klaren Schwerpunktsetzung in Onkologie,
Transplantation, Herz-GefĂ€ĂŸ-Medizin sowie den ĂŒbergreifenden Forschungsschwerpunkten
Immunologie, Infektiologie und Translationale Neuro- und Verhaltenswissenschaften.
Der 2014 bezogene Neubau des Lehr- und Lernzentrums bietet den Studierenden der
Medizinischen FakultÀt exzellente Ausbildungsmöglichkeiten.

Über die UniversitĂ€tsmedizin Essen

Die Essener UniversitÀtsmedizin umfasst das UniversitÀtsklinikum Essen sowie zwölf
Tochterunternehmen, darunter die Ruhrlandklinik, das St. Josef Krankenhaus Werden,
die Herzchirurgie Huttrop und das Westdeutsche Protonentherapiezentrum Essen.
Die Essener UniversitĂ€tsmedizin ist mit etwa 1.700 Betten das fĂŒhrende
Gesundheits-Kompetenzzentrum des Ruhrgebiets und auf dem Weg zum Smart Hospital.
2019 behandelten unsere 8.500 BeschÀftigten 72.000 stationÀre und 300.000 ambulante
Patientinnen und Patienten. Schwerpunkte sind die Herz- und GefĂ€ĂŸmedizin, die Onkologie
und die Transplantation. Mit dem Westdeutschen Tumorzentrum, einem der grĂ¶ĂŸten Tumorzentren
Deutschlands, dem Westdeutschen Zentrum fĂŒr Organtransplantation, einem international
fĂŒhrenden Zentrum fĂŒr Transplantation, in dem unsere Spezialisten mit Leber, Niere,
BauchspeicheldrĂŒse, Herz und Lunge alle lebenswichtigen Organe verpflanzen, sowie dem
Westdeutschen Herz- und GefĂ€ĂŸzentrum, einem ĂŒberregionalen Zentrum der kardiovaskulĂ€ren
Maximalversorgung, hat die UniversitĂ€tsmedizin Essen eine weit ĂŒber die Region reichende
Bedeutung fĂŒr die Versorgung von Patientinnen und Patienten. Wesentliche Grundlage fĂŒr die
klinische LeistungsfÀhigkeit ist die Forschung an der Medizinischen FakultÀt der UniversitÀt
Duisburg-Essen mit ihrer klaren Schwerpunktsetzung in Onkologie, Transplantation,
Herz-GefĂ€ĂŸ-Medizin, sowie den ĂŒbergreifenden Forschungsschwerpunkten Immunologie, Infektiologie
und Translationale Neuro- und Verhaltenswissenschaften.

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