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Palliativmedizin neu lernen: Was Menschen am Lebensende brauchen

Eine Frau mit Kopfbedeckung trainiert an einem medizinischen Trainingsgerät. Neben ihr sitzt ein lächelnder Mann, der sie während der Übung begleitet.
Auch die Bewegungstherapie ist Teil des neuen interdisziplinären Ansatzes der palliativmedizinischen Lehre. Das Foto zeigt Dr. Nico De Lazzari, Sportwissenschaftler in der Palliativmedizin der UME, mit einer Patientin, die an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte. (© Stiftung Universitätsmedizin Essen)

Wie können angehende Ärztinnen und Ärzte Menschen am Lebensende gut begleiten? Welche Rolle spielen dabei Schmerzen und Luftnot, aber auch Gespräche, persönliche Wünsche, Trauer und der Umgang mit dem Sterben? Mit einem neuen Lehrkonzept will die Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen Studierende praxisnah auf diese Aufgaben vorbereiten.

Ab dem Wintersemester 2026/2027 wird die Lehre in der Palliativmedizin neu ausgerichtet. Statt überwiegend in Vorlesungen lernen die Studierenden verstärkt in kleineren Gruppen und im direkten Austausch mit verschiedenen Berufsgruppen. Entwickelt wurde das Konzept federführend von den Essener Palliativmedizinerinnen Prof. Dr. Mitra Tewes und Dr. Baicy Mathews gemeinsam mit dem Institut für Allgemeinmedizin.

Nicht nur die Erkrankung im Blick

Palliativmedizin bedeutet mehr als die Behandlung körperlicher Beschwerden. Im Mittelpunkt steht der Mensch mit seiner gesamten Lebenssituation.

„In der Palliativmedizin geht es nicht nur darum, Symptome zu behandeln. Wir müssen Menschen in ihrer gesamten Lebenssituation betrachten“, erklärt Prof. Dr. Mitra Tewes, Direktorin der Palliativmedizin der Universitätsmedizin Essen.

So kann beispielsweise Schmerz nicht nur körperlich belasten, sondern auch Ängste auslösen, Beziehungen beeinflussen oder persönliche Krisen verstärken. Diese unterschiedlichen Aspekte sollen die Studierenden frühzeitig kennenlernen und verstehen.

Fünf Themen stehen im Mittelpunkt

Das neue Lehrkonzept setzt stärker auf Seminare und den Austausch in Kleingruppen. Inhaltlich beschäftigen sich die Studierenden mit fünf zentralen Themen: Schmerz, Luftnot, Kommunikation, vorausschauende Behandlungsplanung (Advanced Care Planning) sowie Trauer, Tod und Sterben.

Dabei lernen sie unterschiedliche Perspektiven der Palliativversorgung kennen. Beteiligt sind Fachleute aus der Palliativmedizin der Universitätsmedizin Essen, dem Institut für Allgemeinmedizin und der Pneumologie der Ruhrlandklinik. Hinzu kommen unter anderem Fachkräfte aus Pflege, Bewegungswissenschaft und ambulanter Hospizarbeit.

Palliative Begleitung kann in jeder medizinischen Fachrichtung wichtig werden

„In jedem Bereich der medizinischen Versorgung wird gestorben“, betont Prof. Tewes. Deshalb sollen angehende Ärztinnen und Ärzte lernen, Menschen in dieser Lebensphase angemessen zu begleiten und zu erkennen, wann eine palliative Begleitung sinnvoll sein kann.

Neben den Lehrveranstaltungen können Studierende die Palliativmedizin auch unmittelbar in der Praxis kennenlernen. Möglich sind eine Famulatur sowie ein 16-wöchiges Tertial des Praktischen Jahres in einem palliativmedizinischen Bereich. Als Alternative zu Teilen der neuen Lehrveranstaltungen sind außerdem Hospitationen beim palliativmedizinischen Dienst, in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung oder auf der Palliativstation vorgesehen.

Damit stärkt die Medizinische Fakultät in Essen einen Bereich der medizinischen Ausbildung, in dem neben medizinischem Wissen vor allem Kommunikation, Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen und die Bedürfnisse schwer erkrankter Menschen eine wichtige Rolle spielen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Mitra Tewes, Direktorin der Palliativmedizin der Universitätsmedizin Essen, E-Mail-Adresse, Telefon: 0201/723-7262

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