Seite lädt...

Universitätsmedizin Essen präsentiert Forschung zu Placebo- und Noceboeffekten auf der MS Wissenschaft

Zwei Frauen stehen nebeneinander vor einer großformatigen wissenschaftlichen Informationswand. Beide blicken in die Kamera und lächeln. Die Frau links trägt einen dunklen Hosenanzug mit auffälligen weißen Knöpfen und weißen Sneakern. Ihre Hände sind vor dem Körper verschränkt. Die Frau rechts trägt ebenfalls einen dunklen Hosenanzug, darunter ein hellblaues Oberteil, sowie ein türkisfarbenes Namensband. Sie hält ihre Hände locker vor dem Körper. Im Hintergrund ist eine große, farbig gestaltete Darstellung eines menschlichen Gehirns zu sehen. Um das Gehirn herum befinden sich mehrere Sprechblasen mit deutschsprachigen Informationen zum Thema Erwartungen und Gesundheit. Eine der Überschriften lautet „Wie deine Erwartungen deine Gesundheit beeinflussen“. Die Wand wirkt wie Teil einer wissenschaftlichen Ausstellung oder eines Informationsbereichs auf einer Fachveranstaltung. Die helle, moderne Gestaltung lenkt den Blick auf die beiden Frauen und die wissenschaftliche Darstellung hinter ihnen.
Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, lässt sich von Prof. Ulrike Bingel von der Universitätsmedizin Essen die körpereigene Apotheke erklären © SFB 289
Eine Frau mit schulterlangem dunklem Haar steht in einer modernen Ausstellung und blickt direkt in die Kamera. Sie trägt einen schwarzen Hosenanzug mit hellblauer Bluse und hält einen Stift auf eine interaktive Station gerichtet. Auf der großen Tafel sind Fragen zur Wirkung von Medikamenten und zum Placebo-Effekt dargestellt, darunter „Was wirkt besser?“ sowie Abbildungen von Tabletten, Spritzen und anderen Darreichungsformen. Im Hintergrund sind weitere interaktive Exponate und Informationstafeln einer wissenschaftlichen Ausstellung zu sehen. Die hellen Blau-, Weiß- und Grüntöne verleihen dem Raum eine moderne, forschungsorientierte Atmosphäre.
Prof. Dr. Ulrike Bingel erklärt am interaktiven Modul die Kraft der Erwartung. Sie ist Neurologin, Professorin für Klinische Neurowissenschaften und Leiterin des Zentrums für Schmerzmedizin am Universitätsklinikum Essen und Sprecherin des Sonderforschungsbereichs „Treatment Expectation“ – gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. © SFB 289

Prof. Ulrike Bingel erläutert Bundesforschungsministerin Dorothee Bär die „Kraft der Erwartung“

Die Universitätsmedizin Essen ist mit einem Exponat des Sonderforschungsbereichs (SFB/TRR) 289 „Treatment Expectation“ Teil der Ausstellung „Medizin der Zukunft“ auf der MS Wissenschaft. Zur Eröffnung des Wissenschaftsjahres 2026 in Berlin stellte Prof. Dr. Ulrike Bingel, Leiterin des Schmerzzentrums der Universitätsmedizin Essen, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt Dorothee Bär sowie einer Schulklasse die Forschung zu Erwartungseffekten in der Medizin vor.

Das interaktive Exponat „Die Kraft der Erwartung – Nutze deine körpereigene Apotheke“ zeigt, wie Erwartungen den Erfolg medizinischer Behandlungen beeinflussen können. Besucherinnen und Besucher erfahren spielerisch, welche Rolle Placebo- und Noceboeffekte spielen und wie Kommunikation, Vorerfahrungen und Einstellungen den Behandlungserfolg mitbestimmen.

„Also mein Zahnarzt ist total nett und ich habe keine Angst“, erzählt ein Berliner Grundschüler an der Mitmachstation. Die Neurologin Prof. Ulrike Bingel erklärt: „Dann stehen die Chancen gut, dass es auch nicht weh tut.“

An einem großen Gehirnmodell lernen die Besucherinnen und Besucher, welche Hirnregionen bei Placebo- und Noceboeffekten aktiv sind. Weitere interaktive Stationen laden dazu ein, eigene Erwartungen zu testen. So konnten Schülerinnen und Schüler beispielsweise herausfinden, welche Darreichungsform sie als wirksamer gegen Schmerzen einschätzen oder erleben, wie unterschiedlich formulierte Arztgespräche ihre Wahrnehmung beeinflussen.

Auch Bundesforschungsministerin Dorothee Bär nahm an dem Experiment teil und erkannte schnell den Unterschied zwischen einer empathischen und einer weniger zugewandten Kommunikation. Dazu erläutert Prof. Bingel: „Kommunikation ist ein entscheidender Faktor beim Therapieerfolg, denn je besser und verständlicher ein Arzt, eine Ärztin oder medizinisches Personal die Therapie erklärt, desto größer sind die Chancen, dass sie gut wirkt und wenig Nebenwirkungen auftreten.“

Dorothee Bär betont: „Ihr wisst ja, kein Kind muss Schmerzen ertragen.“ Im Gespräch verwies sie zudem auf die oft langen Diagnosewege bei Endometriose. Prof. Bingel ordnet dies ein: „Das sind Noceboeffekte, die nicht sein sollten.“

Forschung zu Behandlungserwartungen

Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Sonderforschungsbereich „Treatment Expectation“ untersucht, wie Erwartungen, Erfahrungen und die Kommunikation zwischen medizinischem Personal und Patientinnen und Patienten den Verlauf von Behandlungen beeinflussen. Ziel ist es, die positiven Effekte von Erwartungen gezielt für die Medizin nutzbar zu machen und gleichzeitig negative Erwartungseffekte zu reduzieren.

„Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass der Therapieerfolg allein durch Wirkstoffe und Technik bestimmt wird, denn die beste Therapie wird ihr Potenzial nicht entfalten, wenn sie falsch vermittelt wird oder Ängste, Sorgen und negative Erfahrungen nicht berücksichtigt werden“, erklärt Bingel.

Mit Blick auf die zukünftige Gesundheitsversorgung ergänzt sie: „Gute Medizin entsteht dort, wo Technologie und menschliche Interaktion mit richtiger Kommunikation zusammenkommen. Dieses Verständnis sollte in allen Gesundheitsberufen, der Gesundheitskommunikation, der Forschung und der Gesundheitspolitik verankert sein.“

Gesundheitsforschung zum Mitmachen

Die Ausstellung „Medizin der Zukunft“ auf der MS Wissenschaft macht aktuelle Gesundheitsforschung für die Öffentlichkeit erlebbar. An rund 30 Exponaten können Besucherinnen und Besucher unter anderem Medikamente an künstlichen Organen testen, ihren Herzschlag messen oder virtuelle Einblicke in den Operationssaal der Zukunft erhalten. Darüber hinaus werden aktuelle Forschungsansätze zu Erkrankungen wie Demenz, Diabetes und Endometriose vorgestellt.

Der Besuch der Ausstellung ist kostenfrei und wird ab einem Alter von zwölf Jahren empfohlen.

Weitere Informationen zur Ausstellung sowie ein Interview mit Prof. Dr. Ulrike Bingel finden Sie unter: www.treatment-expectation.de/mswissenschaft

WordPress Appliance - Powered by TurnKey Linux