Wie kann Künstliche Intelligenz helfen, Gesundheitskrisen früher zu erkennen?
Bei einer Naturkatastrophe, einer Pandemie oder einer anderen größeren Krise müssen Verantwortliche schnell wissen: Welche Krankenhäuser können noch Patientinnen und Patienten aufnehmen? Wie viele Intensivbetten stehen zur Verfügung? Sind ausreichend Medikamente vorhanden? Und wo könnten sich Engpässe entwickeln?
Genau hier setzt das Forschungsprojekt AtheneKI an. Forschende der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen entwickeln gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern in Hamburg und München die Grundlagen für ein digitales Lagebild des deutschen Gesundheitssystems. Künstliche Intelligenz soll dabei helfen, große Mengen unterschiedlicher Informationen zusammenzuführen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und mögliche Krisenszenarien zu simulieren.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das dreijährige Verbundprojekt mit rund 7,4 Millionen Euro. Etwa 2,4 Millionen Euro fließen nach Essen an das Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin (IKIM).
Warum sind aktuelle Daten in einer Krise so wichtig?
Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie schwierig es sein kann, sich ohne eine geeignete digitale Infrastruktur schnell einen Überblick über die aktuelle Gesundheitslage zu verschaffen.
AtheneKI soll deshalb Informationen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenbringen. Dabei geht es nicht um persönliche Gesundheitsdaten einzelner Menschen. Genutzt werden sollen beispielsweise Daten zu Krankenhäusern und Apotheken sowie Abwasser- und Wetterdaten.
„Daten im Gesundheitssystem sind in Deutschland eher mit Angst besetzt, das Fehlen von Daten zur Lage ist aber eine Bedrohung in sich“, erklärt Prof. Dr. Folker Meyer vom Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin. An der Universität Duisburg-Essen hat er den Lehrstuhl für Medizininformatik mit dem Schwerpunkt Medical Data Science inne.
Das datenwissenschaftliche Herzstück entsteht in Essen
Eine zentrale Aufgabe des Forschungsprojekts liegt am IKIM in Essen. Dort entwickeln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die datenwissenschaftlichen Kernverfahren für AtheneKI.
Die verschiedenen Informationen müssen dafür zusammengeführt und vereinheitlicht werden. Anschließend sollen KI-gestützte Verfahren dabei helfen, Trends und ungewöhnliche Veränderungen in den Daten zu erkennen. So könnten mögliche Probleme früher sichtbar werden.
„Deutschland hat keine Infrastruktur für digitale, zeitnahe Informationen über die Gesundheitslage und den Zustand des Gesundheitssystems im Land. AtheneKI baut diese“, sagt Prof. Dr. Folker Meyer. „Im IKIM erstellen wir die Datengrundlage, ohne dass aufwändige Berichtspflichten notwendig werden.“
Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen unter anderem Verantwortliche in Krankenhäusern und Gesundheitsämtern sowie fachliche und politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger dabei unterstützen, eine aktuelle Lage schneller einzuschätzen.
Der Forschungsverbund wird von der Sanitätsakademie der Bundeswehr koordiniert.
