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Medizinstudium: Risiken und Nebenwirkungen ohne Statistik-Angst

Risiken abzuwĂ€gen, gehört zum Alltag von Mediziner:innen. Beispielsweise, wenn eine Entscheidung fĂŒr oder gegen eine bestimmte Behandlung getroffen werden soll und Patient:innen ĂŒber Risiken aufgeklĂ€rt werden. Diese sogenannte Risikokompetenz ist jedoch oft eher schwach ausgeprĂ€gt. Ein Forschungsteam der Medizinischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t Duisburg-Essen (UDE) hat deshalb untersucht, wie dieser Lernprozess gezielt unterstĂŒtzt werden kann. Ihre Studie zeigt: Wenn anstelle der Statistik die Bedeutung fĂŒr die Kommunikation mit Patient:innen in den Vordergrund wird, ist der Lernerfolg bei den Studierenden grĂ¶ĂŸer.

„Wer von sich aus Statistik spannend findet, orientiert sich vermutlich eher in mathematische FĂ€cher als in Richtung Medizin“, erklĂ€rt Prof. Dr. Sven Benson, Leiter des Instituts fĂŒr Medizindidaktik an der UDE. „Dabei ist das Thema fĂŒr die meisten Studierenden gut erlernbar. Das eigentliche Hindernis sind oftmals emotionale Lernblockaden wie die Sorge vor dem Scheitern, weil viele davon ausgehen, dass ihnen Mathematik einfach nicht liegt.“ Die Forschenden haben deshalb Erkenntnisse aus der Placeboforschung auf die medizinische Ausbildung ĂŒbertragen und versucht, bei den Studierenden gezielt positive Erwartungen gegenĂŒber einer Seminareinheit zum Thema „Risikokompetenz“ zu wecken.

192 Studierende absolvierten ein 2,5-stĂŒndiges Pflichtseminar und wurden dabei in zwei Gruppen unterteilt. Vor Seminarbeginn wurde in der einen Gruppe betont, wie wertvoll das Seminar fĂŒr die Ă€rztliche KommunikationsfĂ€higkeit sei und dass den Studierenden dafĂŒr auch grundlegende statistische Konzepte vermittelt werden sollen. In der anderen Gruppe wurde hervorgehoben, wie wichtig statistische Kenntnisse fĂŒr das Lesen und Verstehen medizinischer Fachliteratur seien und dass vor allem Berechnungen den Schwerpunkt des Kurses bilden werden. Der Bezug zur Patientenkommunikation wurde in dieser Gruppe nur am Rande erwĂ€hnt. Das Seminar selbst wurde in beiden Gruppen identisch durchgefĂŒhrt.

Die gute Nachricht: Bei beiden Gruppen zeigte sich nach dem Seminar ein deutlicher Lernerfolg. Aber: Die Lernerfolge der Studierenden, die davon ausgingen, dass sie ein Kommunikationstraining erlernen, zeigten eine stÀrkere Zunahme der Risikokompetenz. Somit zeigt die Studie, dass es gelingen kann, dieselben Inhalte durch sorgfÀltiger formulierte Lernziele besser zu vermitteln.

Link zur Originalveröffentlichung:
Can positive expectations help to improve the learning of risk literacy? A cluster-randomized study in undergraduate medical students

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