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Neues Zentrum fĂŒr therapieresistente Depressionen

Zentrum fĂŒr Therapieresistente Depressionen

Das LVR-Klinikum Essen nimmt die Woche der Seelischen Gesundheit vom 08.10.2021 bis zum 18.10.2021 mit dem Aktionstag am 10.10.2021 zum Anlass, sein neues Zentrum fĂŒr Therapieresistente Depressionen offiziell zu eröffnen.

Das LVR-Klinikum Essen bietet Menschen mit chronisch schweren Depressionen in seinem neuen Zentrum fĂŒr therapieresistente Depressionen moderne Behandlungsmethoden an.

Das GerĂ€t, das Oberarzt Thomas Zwarg dem Patienten an die linke Seite seines Kopfes hĂ€lt ist eher unscheinbar, kann aber einiges bewirken. Das GerĂ€t ist eine Magnetspule, die mit einem Computer verbunden ist. Patient*innen, die unter therapieresistenten Depressionen leiden, können nun im Zentrum fĂŒr therapieresistente Depressionen am LVR-Klinikum Essen mit der noch recht neuen repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) behandelt werden.

Neuer Baustein in der nichtinvasiven Behandlung

„Die repetitive transkranielle Magnetstimulation ist neben bereits etablierter Verfahren in unserer Klinik eine weitere gute und nichtinvasive Behandlungsmöglichkeit fĂŒr Patient*innen mit therapieresistenten Depressionen“, berichtet Prof. Dr. med. Norbert Scherbaum, Chefarzt der Klinik und Ärztlicher Direktor des LVR-Klinikum Essen. Bei diesen Patient*innen wirken Antidepressiva, auch aus verschiedenen Wirkstoffklassen, kaum oder gar nicht. Das betrifft rund ein Drittel der Menschen mit Depressionen. Und da setzt das LVR-Klinikum Essen mit seinem neuen Zentrum an. Die rTMS ist dabei nur eine der neuen, modernen und vor allem schonenden Behandlungsformen des Zentrums.

Repetitive transkranielle Magnetstimulation

Die rTMS hat nahezu keine Nebenwirkungen. Zudem haben mittlerweile einige Studien belegt, dass die rTMS akut antidepressive Effekte hat 1. „Die rTMS ist eine elegante Methode, um von außen nicht invasiv und schmerzlos in kleinen Gehirnarealen eine VerĂ€nderung der GehirnzellenaktivitĂ€t erreichen zu können“, erklĂ€rt Thomas Zwarg. Drei bis sechs Wochen lang stimuliert eine Magnetspule tĂ€glich mit einer Frequenz von einem bis 50 Herz etwa zehn bis 30 Minuten lang die Großhirnrinde der Patient*innen. „In der Magnetspule, die wie ein Hut aufgesetzt wird, wird ein magnetisches Feld erzeugt. Dieses Feld erzeugt wiederrum einen kurzen Impuls, der in den Hirnnervenzellen zu einer elektrischen Reaktion fĂŒhrt“, erlĂ€utert Zwarg. Die rTMS unterstĂŒtzt dabei die Signalweiterleitung im Gehirn. Je nach Abstand der gesendeten Impulse wird die AktivitĂ€t in dem jeweiligen Gehirnareal gehemmt oder erhöht. Diese VerĂ€nderungen der GehirnaktivitĂ€t kann zu einer Linderung der Beschwerden beitragen. „Die rTMS ist eine wichtige neue Behandlungsoption fĂŒr Menschen, die von einer antidepressiven Pharmakotherapie bisher nicht profitieren können“, so der Oberarzt.

Elektrokonvulsionstherapie

Neben der rTMS und bereits etablierten und bekannten Verfahren, wie Psychotherapie und die Behandlung mit Antidepressiva, bietet das LVR Klinikum Essen Betroffenen von therapieresistenten Depressionen weitere Behandlungsmöglichkeiten: „Im Gegensatz zu vielen anderen LĂ€ndern, etwa Großbritannien oder den USA, wird die Elektrokonvulsionstherapie oder Elektrokrampftherapie (EKT) in Deutschland seltener angewandt, obwohl an seiner Wirksamkeit bei richtiger Indikation keine Zweifel bestehen“, erklĂ€rt Norbert Scherbaum. Im LVR-Klinikum Essen wird die EKT bereits seit etlichen Jahren eingesetzt. Die Patient*innen werden fĂŒr wenige Minuten unter Narkose und Muskelrelaxation gesetzt. Mit einer kurzen elektrischen Reizung des Gehirns wird ein Krampfanfall ausgelöst. Die AnfĂ€lle werden von den Patient*innen nicht bemerkt und sind kaum sichtbar. Der genaue Wirkmechanismus der EKT ist noch nicht geklĂ€rt. Die Wirksamkeit der EKT ist jedoch wissenschaftlich gut belegt. „Die EKT stellt bei richtiger Indikation die am schnellsten und am hĂ€ufigsten wirksame Therapieform dar. Das kann unter UmstĂ€nden lebensrettend sein“, sagt Norbert Scherbaum.

Vagusnerv-Stimulation

Ebenfalls noch recht kurz im Einsatz gegen therapieresistente Depressionen ist die Stimulation des Vagusnerv. Der Vagusnerv ist eine wichtige Verbindung zwischen Gehirn und Körper. In Kooperation mit der Klinik fĂŒr Neurochirurgie des UniversitĂ€tsklinikums Essen bietet das LVR-Klinikum diese Therapie seit 2018 an. Bei der Vagusnerv-Stimulation handelt es sich ebenfalls um eine nicht-medikamentöse Behandlungsform. ZunĂ€chst wird ein Generator unter die Haut unterhalb des SchlĂŒsselbeins, Ă€hnlich wie ein Herzschrittmacher, eingesetzt. Eine dĂŒnne Elektrode wird von dort aus mit dem Vagusnerv etwa auf Höhe des Kehlkopfes verbunden. Mit elektrischen Impulsen im unteren Milliampere-Bereich (0,25-2,25 mA) wird ĂŒber die natĂŒrliche Verbindung des Vagusnervs die Energie schonend ins Gehirn geleitet, um dort seine Wirkung entfalten zu können. Bisherige Studien lassen darauf schließen, dass die depressiven Symptome merklich zurĂŒckgehen. Das Verfahren wird noch ausfĂŒhrlich wissenschaftlich untersucht.

ErklÀr-Videos

Auf dem YouTube-Kanal des LVR-Klinikums Essen können Sie sich ErklĂ€r-Videos zu allen Behandlungsmethoden im Zentrum fĂŒr therapieresistente Depressionen anschauen. Diese werden im Laufe der Woche der Seelischen Gesundheit vom 08.10. bis 18.10.2021 veröffentlicht.

1 George MS, Lisanby SH, Sackheim HA. Transcranial magnetic stimulation: applications in neuropsychiatry. Arch Gen Psychiatry 1999;56(4):300-11.

Lefaucheur JP, Andre-Obadia N, Antal A, et al. Evidence-based guidelines on the therapeutic use of repetitive transcranial magnetic stimulation (rTMS). Clin Neurophysiol 2014;125(11):2150-206.

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Oeffentlichkeitsarbeit.Essen@lvr.de


Das LVR-Klinikum Essen ist eine psychiatrische, psychotherapeutische und psychosomatische Fachklinik des
Landschaftsverbandes Rheinland (LVR). Als Teil der UniversitÀt Duisburg-Essen hat das LVR-Klinikum Essen nicht
nur einen Versorgungsauftrag, sondern ist auch aktiv in der Forschung und Lehre tÀtig. Zentral im Essener
Stadtgebiet gelegen, werden seit 1974 Jahren Erwachsene, Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen
behandelt. Ziel ist es, hilfesuchenden Menschen UnterstĂŒtzung in einer fĂŒr sie schwierigen Lebensphase zu geben,
sie umfassend zu beraten und kompetente Hilfe anzubieten.

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